Vögel schädigen reifende Früchte – Abwehrmaßnahmen (11/07)

Vögel schädigen reifende Früchte – Abwehrmaßnahmen

In diesem Jahr sind schon seit Wochen Fraßschäden bzw. Pickschäden durch Vögel an Kernobst zu beobachten (Amsel, Wacholderdrossel, Elster, Krähen, Meisen, Finken, Rotschwanz, Specht, Spatz). Und dies, obwohl die Vögel keinen Wassermangel leiden. Regen gab es zumindest in der Region Ahrweiler und Meckenheim genügend.
Geschädigt werden sowohl Apelsorten wie auch Birne und Beerenobstarten. Bei den Apfelsorten haben die Vögel eine ganz klare Vorliebe für Honey Crisp. Weiterhin nehmen sie auch gerne Alkmene, Delblush, Earlygold, Elstar, Fuji-Typen, Sansa, u.a.m. Wenig oder Keine Schäden wurden an Elise, Gala-Mutanten, Granny S., Pink Lady und Santana beobachtet. Zu Cox und Jonagold konnten wir keine Beobachtungen machen, da diese Sorten nicht in dem Quartier mit den o.g. Sorten standen.


Bild1: Vogelfraß an Schwarzer Holunder Bild2: frischer Pickschaden und faule Frucht


Bild3: frisch angepickte Frucht

Die Frage nach Abwehrmaßnahmen drängt sich auf, ist aber nicht einfach zu beantworten.
  • Gewisse Abhilfe kann durch das Aufstellen flacher Wasserschalen erfolgen. Tiefe Behältnisse werden nicht angenommen. Die Behältnisse müssen optisch gut sichtbar und anfliegbar sein.
  • Der Betrieb akustischer Geräte zur Vogelabwehr (Schussapparate, Geräte mit Lautsprechern) ist vor allem aus dem Weinbau bekannt und ist in Rheinland-Pfalz genehmigungspflichtig. Für die Genehmigung sind in der Regel die Verwaltungen der Kommunen zuständig.
    - Anlagen, die
    mehr als 1000 m zu einer geschlossenen Wohnbebauung betrieben werden, brauchen keine Genehmigung.
    - Anlagen, die
    weniger als 1000 m zu einer Art von Wohnbebauung nach BauNVO betrieben werden sollen, sind genehmigungspflichtig.
    Die max. Schusszahl pro Tag und die Art der Wohnbebauung entscheiden über den einzuhaltenden Abstand, der zwischen 300 und 1000 m Abstand liegt.
    - Kein Betrieb bei Dunkelheit!
    Hauptanbieter solcher Geräte ist die Fa. Purivox in Ottersheim. Die Preise der Geräte liegen etwa zwischen Euro 350,- und 600,-.
  • Alternativ gab es Praxiserfahrungen mit Zimtsäure: 0,25 bis 0,5 kg/ha in 400 – 500 l/ha Wasser. Beachte: Anrühren des Zimtsäurepulvers unter ständigem Rühren in 5 – 10 l Brennspiritus, da es gerne ausflockt (sieht aus wie eisgekühlter Ouzo-Anisschnaps)
    Anwendung: 1 x pro Woche; 1 kg kostet ca. 70,00 Euro
    Unser eigener
    Spritzversuch mit Zimtsäure konnte in diesem Jahr (2005) am Standort Ahrweiler keinen Erfolg verzeichnen. Kohlmeise, Finken, Hausrotschwanz, Felddrossel, Amsel, Specht und andere Vogel-Arten waren schädigend im Versuch aktiv, der zwei mal im Abstand von 1 Woche behandelt wurde.
  • Das Verscheuchen der Vögel durch optische Reize bietet beispielsweise die Fa. ChristophAIR in Meerbusch. Sie nennt ihr Handelsprodukt DRACHEN-Vogelscheuch-System. Der Preis liegt bei Euro 320,- pro Stück. Dieses System wurde 1 Woche nach der letzten Zimtsäurespritzung in Ahrweiler installiert. Wiederum eine Woche später wurde ausgewertet. Es war keinerlei Wirkung zu beobachten. Dieses System spricht offensichtlich nur auf bestimmte Vogelarten und Anbaubedingungen an. Es müssen Schwarmvogelarten (z.B. Stare, Tauben, ...) sein und es darf keine Deckung, wie es die Baumkrone bietet, geben.
Bild4: DRACHEN-System in Apfelanlage

Im Ergebnis kann noch kein dauerhaft wirksames System empfohlen werden. Da sowohl Zimtsäure wie auch das DRACHEN-System am Standort Ahrweiler unwirksam waren, kann nur das einfache und preisgünstige Vogeltränkensystem und die akustischen Systeme empfohlen werden, wobei letztere recht teuer und genehmigungspflichtig sind und die Vögel sich daran gewöhnen können. Wo die Vögel besonders schädigend empfunden werden, sollte man vielleicht an den Einsatz von Feldhütern (möglicherweise Erntehelfer) denken, die von verschiedenen Obstbauern gemeinschaftlich zu bezahlen wären. Ein nicht ganz abwegiger Gedanke!

Manfred Hellmann

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) - Rheinpfalz -
Gruppe: Kompetenzzentrum Gartenbau (KoGa)
Walporzheimer Str. 48
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel. 02641-9786-46 Fax 9786-66
mobil: 0172-6604238
e-mail: Manfred.Hellmann@dlr.rlp.de

Kurzfassung: Verschiedene Vogelarten schädigen neuerdings auch Obstkulturen, wenn die Tiere keinen Wassermangel leiden. Hier werden Möglichkeiten der Abwehr aufgezeigt und diskutiert. Teilweise konnte auf eigene Versuchsergebnisse zurückgegriffen werden.





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