Möhren - verblüffend vielfältig

Zurzeit kommen die Möhren aus der letztjährigen Ernte noch knackig aus den Lagern auf den Markt. Im März beginnt aber schon die Aussaat für die kommende Ernte im Frühsommer. Tatsächlich ist dieses Gemüse rund ums Jahr aus heimischem Anbau erhältlich.
Verblüffend ist dabei das Farbspektrum, mit dem die Möhre neuerdings im Handel angeboten wird. Neben der gewohnten Karotte in leuchtend-orange entdeckt man sie zuweilen auch in weißer und in schwarz-violetter Schale mit orangefarbenem Inneren. Die französische "Blanche a Collet Vert" und das "Küttiger Rübli" aus der Schweiz sind alte weiße Landsorten. Die dunkle "Beta-Sweet" ist dagegen eine Kreuzung aus einer alten schwarzen und einer orangefarbenen Möhrensorte. Die Dunkelfärbung geht auf einen hohen Anteil des Farbstoffes Anthocyan zurück, ein sekundärer Pflanzenstoff mit einer hohen antioxidativen Wirkung. Ferner enthalten die dunklen Sorten im Vergleich zu herkömmlichen Möhren etwa 40 Prozent mehr Betacarotin. Das Multitalent "Möhre" wird also durch diese Züchtungen nicht nur in farblicher Hinsicht noch interessanter.


Anbau und Ernte

Die Spuren der Möhre gehen in graue Vorzeiten zurück. Möhrensamen wurden sogar in Schweizer Pfahlbauten gefunden – mehr als 4000 Jahre alt.

Heute ist die Möhre eine der wichtigsten Gemüsearten der Welt.
Die auch Mohrrübe genannte Wurzel wird praktisch in allen Ländern angebaut. Mehr als die Hälfte der Menge, die wir verzehren, stammt aus einheimischer Erzeugung. Die ”Rüblis” gehören zu den beliebtesten und am meisten verzehrten Gemüsen. Groß ist die Zahl der Möhrensorten. Im Allgemeinen bevorzugt der Frischmarkt mittelgroße, längliche Formen. Es gibt Sommer-, Herbst- und Spät- oder Dauermöhren. Die letzteren sind besonders gut lagerfähig und werden weit bis ins Frühjahr hinein angeboten. Die kurzen, rundlichen Sorten werden auch Karotten genannt. Als ”Bundmöhren” wird die Sommerernte bezeichnet, die mit Kraut und gebündelt angeboten wird. Leider ist ihre Haltbarkeit gering, da das Grün die Feuchtigkeit entzieht und das Gemüse schnell welken lässt. Will man Bundmöhren länger aufbewahren, sollte daher das Kraut abgeschnitten werden.
Im Großanbau werden die meist maschinell geernteten Möhren auf so genannten ”Aufbereitungsstraßen” maschinell entlaubt, gewaschen und sortiert. Anschließend werden sie in Kisten, gelochte Plastikbeutel, Netzsäcke oder Container abgefüllt.

Eine große Rolle spielen Möhren für die Verarbeitungsindustrie. Da kommt den runden Karottensorten eine dominierende Rolle zu. In Dosen oder Gläsern eingemacht sowie als Sauerkonserven steht eine breite Produktpalette für die schnelle Küche zur Verfügung.


Schützen Karotten vor Krebs?

Den wichtigsten Wirkstoff der Möhre erkennt man direkt an der Farbe: Die Möhre ist das Gemüse mit dem weitaus größten Carotingehalt. Beta-Carotin ist eine Vorstufe des Vitamin A. Als solches stärkt es die Sehkraft, ist beteiligt am Zellwachstum und wichtig für die Funktion von Haut und Schleimhäuten. Beta-Carotin wird besonders gut verwertet aus gegarten, mit etwas Fett zubereiteten Möhren und auch aus Möhrensaft.
Die Carotinoide sind pflanzliche Farbstoffe und zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. Sie unterstützen die körpereigenen Abwehrkräfte und wirken stark antioxidativ. In Studien wurde beobachtet, dass eine hohe Zufuhr von Carotinoiden das Krebsrisiko vor allem der Atmungs- und Verdauungsorgane verringern kann. Günstige Effekte werden auch gegenüber Herz-Kreislauf-Erkrankungen diskutiert.


Von Fingerfood bis Torte

Die meisten Babys werden mit Karottenmus gefüttert. Kinder bekommen sie als Zwischenmahlzeit in die Hand gedrückt. Was zeichnet die Karotte aus?

Im Geschmack sind Möhren süß und zart und sie bringen Farbe auf den Tisch! Vor allem Kinder verzehren sie gerne frisch und roh – direkt aus der Hand. Damit ist die gelbe Rübe ein knackiges Fingerfood für zwischendurch und eine gesunde Zugabe für das Pausenbrot. Besonders bei Kindern ist ihr süßer Geschmack beliebt.
Auf einem Rohkostteller dürfen Möhren nicht fehlen. Geraspelt sind sie besonders schmackhaft in Kombination mit Orangen, Äpfeln, Nüssen oder Sauerkraut. Auch als Saft ausgepresst eignet sich das Gemüse.
Häufiger ist die Verwendung als Warmgemüse oder in Eintopfgerichten und Suppen. Junge, zarte Karotten braucht man übrigens nicht zu schälen. Sorgfältiges Waschen oder Abbürsten reicht aus.

Das knackige Gemüse kann sehr gut „auf Eis gelegt“ werden. Nur wenige Vorbereitungen sind für das sachgerechte Einfrieren von Möhren erforderlich. Nach dem Putzen und Schneiden in Scheiben oder Würfel ist kurzes Blanchieren ratsam. Durch diese Hitzebehandlung in kochendem Wasser werden die Enzyme der Pflanze, die für Verfärbung und geschmackliche Veränderung des Gemüses verantwortlich sind, unwirksam gemacht. So behält das Gemüse seine ursprüngliche Farbe. Zum Blanchieren geputztes, gereinigtes, klein geschnittenes Gemüse in reichlich kochendes Wasser geben und circa drei Minuten kochen lassen. Anschließend das Gemüse sofort herausnehmen und in kaltem Wasser abschrecken, gut abtropfen lassen.

Neben Erbsen und Spargel sind Möhren ein typischer Bestandteil im ”Leipziger Allerlei”. Weitere Verwendungsmöglichkeiten wie Möhrenbrot oder –kuchen fordern kreative Köche heraus.

UNSER KÜCHEN-TIPP
Möhrentorte - der Klassiker zur Osterzeit

Zutaten
6 Eier, getrennt
200 g Zucker
1 TL Zimt
1 EL Obstbrand
300 g Mandeln, ungeschält, gerieben
250 g Möhren, fein geraspelte
50 g Stärkemehl

Glasur:
2 EL Aprikosenkonfitüre

1 EL heißes Wasser
200 g Puderzucker

2 EL heißes Wasser
1-2 EL Zitronensaft

Zubereitung:
  • Eiweiß mit 50 g Zucker steif schlagen.
  • Eigelb mit 200 g Zucker schaumig rühren.
  • Zimt, Obstbrand sowie die fein geriebenen Mandeln und fein geraspelten Möhren hineinrühren
  • Abschließend den steifen Eischnee mit dem Stärkemehl vorsichtig unterheben.
  • Springform von 26 cm einfetten und mit Semmelbrösel ausstreuen oder alternativ mit Pergamentpapier auslegen.
  • Die Teigmasse in die Springform füllen und bei mäßiger Hitze (160 – 180 oC) eine Stunde lang backen.
  • Die Aprikosenkonfitüre mit etwas heißem Wasser glatt rühren und die erkaltete Möhrentorte damit glasieren.
  • Den Puderzucker nach und nach mit dem heißen Wasser und mit etwas Zitronensaft glatt rühren. Die Möhrentorte dann sofort mit dem Zuckerguss überziehen.

Tipp:
Die Möhrentorte 2 Tage vor Gebrauch herstellen, damit sie saftig wird.
Anstatt der Glasur kann der Kuchen auch mit Puderzucker bestäubt werden.





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