Isoglukose und das Ende der EU-Zuckerquote

Stand: 04/11/2018
Bis 2017 war die Zuckergewinnung in der EU limitiert. Jährlich durften maximal 13,5 Millionen Tonnen Zucker produziert werden. Auch die Erzeugung von Isoglukose war auf 0,72 Millionen Tonnen pro Jahr beschränkt. Das EU-Parlament und der Europäische Rat haben sich auf den Wegfall der EU-Zuckerquoten zum 1. Oktober 2017 geeinigt, so dass die bis dahin geltende Produktionsobergrenzen für Zucker und Isoglukose der Vergangenheit angehören.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Isoglukose“? Droht eine Isoglukose-Schwemme? Worauf sollen Verbraucher achten?


Was ist Isoglukose?

Isoglukose ist ein Zuckersirup, der gerne verarbeiteten Lebensmitteln wie Limonaden, Fruchtaufstrichen, Milchprodukten, Backwaren, Obst- und Gemüsekonserven zum Süßen zugesetzt wird, oft auch in Mischungen mit anderem Zucker. Isoglukose besitzt technologische Vorteile. Sie ist flüssig und gut mischbar, außerdem säure- und temperaturbeständig und kristallisiert nicht schnell aus. Es gibt jedoch auch Ausnahmen wie beispielsweise Schokolade, bei der Kristallzucker technologisch unverzichtbar ist und nicht durch Isoglukose ersetzt werden kann.
Isoglukose besteht aus den Einfachzuckern (Monosacchariden) Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose). Auch der normale Haushaltszucker (Saccharose) besteht aus Glukose und Fruktose, die hier jedoch als Zweifachzucker (Disaccharid) miteinander verbunden sind. Haushaltszucker enthält somit Glukose und Fruktose immer im gleichen Mengenverhältnis. In Isoglukose hingegen liegen die beiden Zucker in variablen Mengenanteilen vor.
Im Zutatenverzeichnis auf Lebensmittelverpackungen ist der Zuckersirup als Glukose-Fruktosesirup (Fruktosegehalt fünf bis 50 Prozent) oder als Fruktose-Glukosesirup (Fruktosegehalt über 50 Prozent) zu finden. Glukosesirup enthält mindestens 95 Prozent Glukose, Fruktosesirup mindestens 95 Prozent Fruktose. Je höher der Fruktose-Anteil, desto süßer schmeckt der Sirup.

Tabelle: Zusammensetzung und Bedeutung von Glukose-Fruktose- bzw. Fruktose-Glukosesirup in Deutschland
NameZusammensetzungBedeutung beim Einsatz in Lebensmitteln mit Isoglukose in Deutschland
Glukose-Fruktose-Sirup8-30 % Fruktosevorwiegende Verwendung
42 % Fruktosekaum Verwendung
Fruktose-Glukose-Sirup55 % Fruktosekeine Produktion und Verwendung
90 % Fruktosekeine Produktion und Verwendung
Quelle: VGMS

In den USA ist Isoglukose unter dem Namen High fructose corn syrup bekannt, meist bestehend aus 55 Prozent Fruktose und 45 Prozent Glukose. Sie macht dort fast die Hälfte der verwendeten Zucker aus. In Deutschland und der EU wird überwiegend Glukose-Fruktose-Sirup mit bis zu 30 Prozent Fruktose (siehe Tabelle) verwendet.

Isoglukose wird üblicherweise aus Mais- oder Weizenstärke unter Einsatz hochspezifischer Enzyme gewonnen. Dieser Prozess nennt sich Stärkeverzuckerung und verläuft in drei Stufen. Zunächst wird Stärke in verschieden lange Zuckerketten – Maltose, Oligosaccharide, Dextrine – gespalten. Diese werden im zweiten Schritt in ihre Einzelbausteine zerlegt. Es entsteht Glukosesirup. Je nach gewünschtem Endprodukt wird abschließend ein Teil der Glukose in Fruktose umgewandelt. Ein Schaubild zur Stärkeverzuckerung finden Interessierte hier (im Internet unter www.transgen.de, Zugriff 11.09.2018). Die Herstellung von Isoglukose war bisher um bis zu 40 Prozent kostengünstiger als die Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben bzw. Zuckerrohr.
Experten gehen davon aus, dass mit der Liberalisierung des EU-Zuckermarktes die Zuckerproduktion ansteigen und der Zuckerpreis tendenziell fallen wird aufgrund eines intensiveren Wettbewerbs in Europa und der Einflüsse des Weltmarktes. Auch der Zuckermarktanteil der Isoglukose wird voraussichtlich steigen. Technisch wäre es möglich, bis zu 30 Prozent der bisherigen Zuckerverwendung durch Isoglukose zu ersetzen. Insbesondere in Getränkerezepturen kann Zucker relativ einfach durch Isoglukose ersetzt werden. Mitentscheidend werden die Entwicklung der Rohstoffkosten (Zuckerrüben, Weizen, Mais) und des Zuckerpreises sowie die Umstellungskosten (von Zucker auf Isoglukose) sein. Offen sind auch die Auswirkungen einer eventuellen Einführung einer Zuckersteuer.

Schadet Isoglukose der Gesundheit?
Aus einer aktuellen Bewertung des Max-Rubner-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, geht hervor, dass Isoglukose der menschlichen Gesundheit nicht mehr schadet als andere zugesetzte Zucker, sofern die aufgenommenen Mengen identisch sind. Letzteres ist entscheidend, denn es gibt diesbezüglich Warnungen. Verbraucherschützer befürchten ein steigendes Angebot zuckerhaltiger Lebensmittel. Ernährungsexperten erwarten eine Zunahme des Zuckerkonsums insgesamt und damit der Kalorienaufnahme. Dies würde die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas, Diabetes Typ 2 und kardiovaskulären Krankheiten weiter begünstigen.
Ein weiterer Diskussionspunkt ist, dass mit einem zunehmenden Marktanteil der Isoglukose die Fruktoseaufnahme steigen kann. Ein hoher Fruktoseverzehr wird unter anderem als eine mögliche Ursache von Übergewicht, Diabetes Typ II und der so genannten Nicht-alkoholischen Fettleber in Verbindung gebracht. Inwieweit mehr Isoglukose tatsächlich zu einem höheren Konsum an Fruktose führen wird, hängt zum einen davon ab, ob der Zuckerverzehr insgesamt zunehmen wird und zum anderen, ob künftig auch Fruktose-Glukose-Sirup in Deutschland und der EU verwendet werden. Das bleibt abzuwarten.


Wie verhalte ich mich als Verbraucher?

Bei verarbeiteten Lebensmitteln ist immer ein kritischer Blick auf die Verpackung hilfreich. Das Zutatenverzeichnis gibt Auskunft über die verwendeten Zuckerarten. Die Reihenfolge im Zutatenverzeichnis gibt Auskunft über die Mengenverhältnisse. Oft werden mehrere süßende Zutaten gleichzeitig verwendet. Das kann über den tatsächlichen Zuckergehalt hinweg täuschen. Denn man muss wissen, dass Zucker Saccharose ist und dass Glukose-Fruktosesirup ernährungsphysiologisch betrachtet Zucker ist mit gleichem Kaloriengehalt wie Saccharose. Seit 2016 müssen die Nährwerte auf Lebensmittelverpackungen ausgewiesen werden. Dazu gehört unter anderem die Angabe des Zuckergehaltes als Summe aller Einfach- und Zweifachzucker im Lebensmittel, sowohl der natürlichen als auch der zugesetzten Zucker.
Empfehlenswert ist es, möglichst wenig „zuckergesüßte Getränke“ – Limonade, Colagetränke, Eistee, Energydrinks,… – zu trinken. Unabhängig davon, ob die Getränke mit Saccharose oder mit Isoglukose gesüßt sind, ihr hoher Konsum begünstigt das Risiko für Adipositas und erhöht wahrscheinlich das Risiko für Diabetes Typ II und möglicherweise das Risiko für ein Metabolisches Syndrom. Stattdessen bieten sich als regelmäßige Durstlöscher Wasser, Mineralwasser, oder ungesüßte Tees an.
Süßes bewusst genießen! Dazu braucht es keine großen Mengen. Dann ist es unerheblich, ob Zucker oder Isoglukose zum Süßen verwendet wurden.


Quellen und weitere Informationen





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