Lebensmittelverschwendung: Unser täglich Brot

Stand: 02/20/2014
Rund 81 kg Lebensmittel wirft im Durchschnitt jeder Bundesbürger pro Jahr weg.
Ein drastisches Beispiel für Lebensmittelvernichtung ist das Brot. Wer Notzeiten erlebt hat, kann kein Brot wegwerfen. Heute werden in Deutschland immense Mengen an Brot weggeworfen - jährlich etwas 500.000 Tonnen. Im Durchschnitt wirft eine Bäckerei 10 bis 20 Prozent ihrer Tagesproduktion weg.


Auswirkungen der Brotverschwendung

Ein 24 Stunden altes Brot kann oft nicht mehr vermarktet werden, da der Verbraucher beim Brot neben dem guten Geschmack auch Frische erwartet. Die überschüssige Ware wird im besten Fall an Tafeln abgegeben. Sie landet bei Tierfutterherstellern oder in Biogasanlagen, schlimmstenfalls im Restmüll. Die Entsorgung ist nicht nur moralisch problematisch, sondern auch ökologisch. Sie bedeutet außer der Verschwendung des Lebensmittels selbst auch eine Verschwendung der für seine Erzeugung eingesetzten Ressourcen. Wertvoller Ackerboden, Wasser und Dünger, Energie für Ernte, Verarbeitung und Transport – jedes Lebensmittel braucht für seine Herstellung kostbare Ressourcen. So fließen z.B. 1.300 Liter Wasser bis ein Kilogramm Brot entstanden ist. Hinzu kommt der unnötige Ausstoß von Treibhausgasen.
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Begründet wird die Überproduktion von Brot und Backwaren mit dem Willen des Konsumenten. Er erwarte zu jeder Zeit das gesamte Warensortiment und volle Regale. Die Kosten für die Überproduktion und Entsorgung werden auf die verkauften Waren umgelegt und machen daher einen nicht unwesentlichen Anteil des Brotpreises aus.


Ansätze zum Handeln

Für das Thema Brotverschwendung aufgeschlossene Bäckereien sind dazu übergegangen, das Angebot ab etwa 17.00 Uhr etwas zu reduzieren und das Verkaufspersonal ist geschult, passende Alternativen zu empfehlen. In immer mehr Geschäften wird Brot kurz vor Geschäftsschluss oder am nächsten Tag zu einem reduzierten Preis angeboten.

Die Fachhochschule Münster entwickelt im Rahmen eines Forschungsprojektes ein Konzept zur Reduktion der Lebensmittelabfälle bei Brot und Backwaren an der Schnittstelle Bäckerei/ Lebensmitteleinzelhandel zum Verbraucher. Ergebnisse mit Vorschlägen für Maßnahmen sind im Herbst 2014 zu erwarten.


Bewusster Konsum

Die Brotfrage ist eine Frage des Lebensstils und des bewussten Umgangs mit Lebensmitteln. Muss immer zu jederzeit alles im Überfluss vorhanden sein? Wertschätzung für das Nahrungsmittel Brot kann nicht besser zum Ausdruck gebracht werden, als mit einer kleinen Erzählung von Carlo Petrini, Gründer und internationaler Präsident der Slow Food-Bewegung: „Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Großvater beim Mittagessen im Kreis der Familie. Wenn er zu Ende gegessen hatte, kehrte er sorgfältig die Brotkrümel zusammen, die auf dem Tischtuch liegen geblieben waren, schob sie in die hohle Hand und leerte diese dann in seinen Mund.“

In vielen Haushalten werden Brot und Backwaren weggeworfen, weil sie trocken geworden sind oder weil bei industriell verpackter Ware das Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Dabei gibt es für Verbraucher gute Möglichkeiten, die Verschwendung von Brot zu vermeiden:
  • den Einkauf planen und überlegen, wie viel Brot man benötigt
  • nur einen halben Laib Brot kaufen
  • Brot in einer Brotbox oder einem Steinguttopf lagern, die Behälter regelmäßig reinigen
  • geschnittenes Brot einfrieren und scheibenweise bei Bedarf entnehmen
  • hart gewordenes Brot weiterverwerten.


Trockenbrot - Küchengold

Am besten lässt sich altbackenes Brot verarbeiten, wenn es noch nicht ganz trocken ist. In Würfel geschnitten und dann trocken gelagert (es darf nicht schimmeln!) bildet es eine ideale Grundlage für Croûtons, Aufläufe oder Semmelknödel.
Wenn das Brot bereits sehr hart ist, kann es mit der Küchenreibe zu Semmelbröseln verarbeitet werden. Die Brösel sind nicht nur für Panaden zu gebrauchen, sondern auch zum Binden von Frikadellen, Bratlingen oder Klößen.

Bekannte Spezialitäten in In- und Ausland basieren auf einer ideenreichen bäuerlichen Resteküche. So z.B. die traditionelle Toskanische Brotsuppe, die Ribollita (ribolliere = noch mal kochen). Sie kam freitags mit den Gemüse- und Brotresten der Woche auf den Tisch. Die trockenen Brotstücke wurden in den Suppenteller gelegt und mit einer heißen Gemüsesuppe aus Zwiebeln, Kohl, weißen Bohnen und Tomaten übergossen. Ein weiteres Beispiel sind Brotsalate in verschiedenen regionaltypischen Rezeptvariationen.
Auch süße Hauptgerichte oder Süßspeisen dienen der Brotverwertung, z.B. Arme Ritter, für die Brötchenscheiben mit einer Mischung aus Milch und Ei übergossen werden. Nach etwa 20 Minuten ist das Brot durchgeweicht und die Scheiben werden in Butterschmalz gebraten. Sehr schmackhaft sind dafür altbackene Körnerbrötchen.
Weitere Anregungen sind zu finden in der Broschüre „Fit im Umgang mit Lebensmitteln“, hier.

Gegen die Verschwendung von Brot und Backwaren kann jeder etwas tun! Eine neue Wertschätzung kann eine Wende bringen.


Quellen und weiterführende Informationen





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