Essen und trinken bei Gicht

Stand: 12/20/2010
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung. Sie gilt als typische Wohlstandskrankheit. Üppige Mahlzeiten, zu viel Fleisch, zu viel Fett, zu viel Alkohol überfordern den Stoffwechsel und können bei entsprechender Veranlagung akute Gichtattacken mit heftigen Gelenkschmerzen auslösen.

Die Gicht (Arthritis urica) gehört zu den chronischen Gelenkerkrankungen. Ursache ist eine Störung des Harnsäurestoffwechsels im menschlichen Organismus. Dadurch kommt es dauerhaft zu erhöhten Konzentrationen der Harnsäure im Blut (Hyperurikämie), was wiederum zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken und Geweben, zu schmerzhaften Entzündungen und chronischen Gelenkveränderungen führen kann.
Männer sind besonders häufig betroffen. Etwa zehn bis 30 Prozent aller Männer aber nur zwei bis sechs Prozent der Frauen haben erhöhte Harnsäurewerte.


Wie entsteht Gicht?

Harnsäure entsteht im menschlichen Organismus beim Abbau von Purinen. Purine wiederum sind Bestandteile von Zellen. Es gibt zwei Quellen für Purine: Zum einen werden sie im menschlichen Körper beim täglichen Auf- und Abbau von Körperzellen freigesetzt. Zum anderen sind Purine Bestandteile von Lebensmitteln und gelangen mit der Nahrung in den Körper.
Die Ausscheidung der Harnsäure erfolgt zu 20 bis 30 Prozent über den Darm, der Rest wird über die Nieren ausgeschieden. Beim Gesunden stehen Bildung und Ausscheidung der Harnsäure im Gleichgewicht, der Harnsäuregehalt im Blutserum beträgt 2 bis 7 mg/dl. Bei Gichtpatienten ist dieses Gleichgewicht gestört. Die Harnsäurekonzentration im Serum steigt, weil der Körper mehr Harnsäure bildet als er ausscheidet oder weil die Harnsäureausscheidung über die Nieren gestört ist.

Ursache der Gicht ist in den meisten Fällen eine genetische Veranlagung (primäre Hyperurikämie), wobei fast immer die Ausscheidung gestört ist. Nur bei etwa einem Prozent der Betroffenen wird im Körper infolge von Enzymdefekten zu viel Harnsäure gebildet. Seltener sind andere Krankheiten oder Medikamente die Auslöser einer Gicht (sekundäre Hyperurikämie). Neben der Veranlagung sind äußere Faktoren wie ungünstige Ernährungsgewohnheiten entscheidend, damit sich die Störung manifestieren kann.
Ab einer Harnsäurekonzentration von 6,5 mg/dl besteht die Gefahr, dass Harnsäure auskristallisiert und dass die Kristalle sich in Gelenken, Geweben oder in den Nieren ablagern. Durch die Harnsäurekristalle kommt es in den Gelenken zu akuten, schmerzhaften Entzündungen besonders am Großzehen- oder Daumengrundgelenk, seltener auch an anderen Gelenken wie dem Knie- oder Sprunggelenk. Ein Gichtanfall verschwindet auch ohne Behandlung nach mehreren Tagen oder Wochen. Ohne Behandlung entwickelt sich jedoch eine chronische Gicht, bei der die Attacken häufiger und in kürzeren Zeitabständen auftreten. Gichtknoten entstehen in den Gelenken, z. B. im Fingerknochen, was die Beweglichkeit einschränkt.
In der Niere können sich Nierensteine bilden und die Niere schädigen. Hier spricht man von einer Gichtniere, die zur Niereninsuffizienz führen kann.


Was tun bei Gicht?

Entscheidend ist, die Harnsäurekonzentration im Blut dauerhaft zu senken. So kann schmerzhaften Gichtanfällen und der Entstehung von Nierensteinen (Harnsäuresteinen) in den ableitenden Harnwegen entgegen gewirkt werden. Das A & O, sowohl zur Vorbeugung einer Gicht als auch zur Behandlung, ist die geeignete Ernährung. Hat die Ernährungsumstellung allein keinen ausreichenden Erfolg, dann sollten begleitend auch Medikamente angewandt werden. Eine medikamentöse Behandlung der Hyperurikämie ist notwendig, wenn die Harnsäurekonzentration über 9 mg/dl liegt, eine harnsäurearme Ernährung nicht eingehalten wird oder Komplikationen wie Gichtanfälle oder Nierensteine vorliegen. Es gibt Arzneien, so genannte Urikosurika, welche die Harnsäureausscheidung fördern und damit die Neubildung von Gichtknoten verhindern oder vorhandene Gichtknoten teilweise abbauen. Ferner gibt es die Urikostatika, die die Harnsäuresynthese hemmen. Dadurch werden Vorstufen der Harnsäure vermehrt mit dem Urin ausgeschieden und der Harnsäurebestand sinkt.


Normalisierung des Körpergewichts

Wie bei anderen ernährungsmitbedingten Erkrankungen steht auch bei Gicht die Normalisierung des Körpergewichts an erster Stelle, um der Erkrankung vorzubeugen und um sie zu behandeln. Eine Normalisierung des Körpergewichts senkt nicht nur die Harnsäurewerte im Blut, sie kommt auch den Gelenken zugute.
Strenge Diäten oder Fasten sind allerdings tabu. Durch den verstärkten Abbau von Körperfett hierbei entstehen vermehrt so genannte Ketonkörper. Ketonkörper beeinträchtigen die Harnsäureausscheidung und können einen akuten Gichtanfall auslösen.


Purinarm essen

Der zweite wichtige Grundsatz bei Gicht lautet: Purinarm essen und trinken.

Lebensmittel enthalten unterschiedlich viele Purine:

Purinreiche LebensmittelLebensmittel mit mittlerem PuringehaltPurinfreie und purinarme Lebensmittel
  • Innereien
  • Sprotten, Ölsardinen, Sardellen
  • Haut von Geflügel und Fisch
  • Fleisch und Fleischerzeugnisse
  • Fisch
  • Spargel, Spinat
  • einzelne Kohlgemüsearten (nicht Weißkohl, Chinakohl)
  • Champignons
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkorngetreide
  • Kartoffeln
  • viele Gemüsearten und Blattsalate
  • Obst
  • Milch, -produkte, Käse
  • Eier
Quelle: DGE 2010

Man unterscheidet zwischen der
  • Streng purinarmen Kost: bis zu 300 mg Harnsäure pro Tag oder 2000 mg Harnsäure in der Woche
  • Purinarmen Kost: bis zu 500 mg Harnsäure pro Tag oder 3000 mg Harnsäure in der Woche.

Die streng purinarme Kost erfordert in ihrer Umsetzung eine restriktive Lebensmittelauswahl und kann nur schwer über einen längeren Zeitraum umgesetzt werden. Die Lebensmittelauswahl bei der purinarmen Kost entspricht in weiten Teilen den Empfehlungen für Stoffwechselgesunde. Sie ist zugleich die Basisernährung zur Vorbeugung und zur Behandlung von Gicht. Purinreiche Lebensmittel sollten hierbei möglichst gemieden werden, Lebensmittel mit mittlerem Puringehalt in moderaten Mengen und purinarme Lebensmittel reichlich verzehrt werden.


Reichlich pflanzliche Lebensmittel

5 am Tag – Gemüse und Obst: Täglich frisches Gemüse, Salat und Obst essen, am besten 5 Portionen am Tag. Günstig ist es, Gemüse und Obst abwechslungsreich auszuwählen, dann fällt der vergleichsweise höhere Puringehalt von Hülsenfrüchten und einigen anderen Gemüsearten wenig(er) ins Gewicht.
Kartoffeln in Form von Salzkartoffeln oder Pellkartoffeln können ohne Bedenken gegessen werden. Brot und Getreideerzeugnisse sind wichtige Lebensmittel. Etwa die Hälfte der Getreideerzeugnisse kann in Form von Vollkornprodukten verzehrt werden.


Moderat tierische Lebensmittel

3 Portionen Milch, Milchprodukte und Käse am Tag essen: Diese Lebensmittel sind fast purinfrei. Hier sollten die fettärmeren Varianten, wie 1,5 %ige Milch und Joghurt oder Käse mit bis zu 45 % Fett i.Tr. bevorzugt werden.
Auch Eier sind purinarm. Ohne weiteres können zwei bis drei Stück in der Woche gegessen werden.
Die Menge an Fleisch und Wurst sollte auf 300 bis 600 g in der Woche beschränkt werden. Dabei sollten die Portionsgrößen bei Fleisch nicht größer als 100 bis 150 g und bei Wurst nicht größer als 30 g sein.
Eine Portion fettarmer Fisch (ca. 80 bis 150 g) und eine kleine Portion (ca. 70 g) fettreicher Fisch wie Lachs sind im Rahmen der purinarmen Kost möglich.
Sprotten, Ölsardinen und Sardellen sowie Innereien und die Haut von Geflügel und Fisch sind möglichst zu meiden.


Fettbewusst essen

Bei fettreicher Ernährung werden verstärkt die bereits angesprochenen Ketonkörper gebildet. Deshalb gilt:
  • Zubereitungsfette und Streichfett sparsam verwenden.
  • Fettärmere Wurstsorten wie Schinken, Sülze u. ä. und Käsesorten mit bis 45 % Fett i.Tr. auswählen.
  • Fettarme Zubereitungsarten wie Dünsten, Dämpfen, Grillen oder Backen bevorzugt anwenden.
  • Fettreiche Snacks selten essen.


Viel trinken

Es sollten mindestens 1,5 bis zwei Liter am Tag getrunken werden. Empfehlenswert sind vor allem Wasser, Mineralwasser sowie Kräuter- und Früchtetee. Auch schwarzer Tee und Kaffee sind erlaubt. Wer viel trinkt, unterstützt die Nierentätigkeit. Es wird mehr Urin gebildet. Der Urin ist weniger konzentriert, es besteht weniger die Gefahr, dass Harnsäure auskristallisiert und sich Nierensteine bilden.


Vorsicht bei alkoholischen Getränken

Alkohol ist häufig der Auslöser von Gichtanfällen. Zum einen enthält Bier Purine, zum anderen hemmt Alkohol die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren und verstärkt die Bildung von Harnsäure in der Leber.


Die Ernährungsempfehlungen bei Gicht und Hyperurikämie entsprechen weitgehend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Stoffwechselgesunde. Sie fordern keine großen Einschränkungen im Ernährungsalltag. Essen mit Genuss und Maß ist die Maxime, Essen „in Saus und Braus“ sollte gemieden werden.


Literatur
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (Hrsg): DGE-Infothek, Essen und Trinken bei Gicht, 1. Auflage, 2010
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (Hrsg.): Ernährung bei Gicht, in: DGEInfo 09/ 2009, im Internet unter www.dge.de (Zugriff 03.11.2010)
  • Deutsches Ernährungsberatungs- und Informationsnetz (debinet) (Hrsg.): Gicht /Hyperurikämie, im Internet unter www.ernaehrung.de (Zugriff 03.11.2010)
  • Kasper Heinrich: Ernährungsmedizin und Diätetik, 10.Auflage, Urban und Fischer, München 2004





Elisabeth.Goetz@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken nach oben