Biologische Vielfalt auf Acker und Teller

Stand: 01/18/2010
Neuerdings sieht man im Gemüseregal bei den Tomaten nicht nur Fleisch- und Cocktailtomaten, sondern eine große Vielfalt an verschiedensten Tomatensorten. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass ein Reichtum an Formen, Farben und Geschmack neu entdeckt wird.
Einen wesentlichen Impuls gab das „Internationale Jahr der Biologischen Vielfalt“ 2010, durch das Ausmaß und Folgen des Artensterbens in die breite Öffentlichkeit getragen wurden. Im Anschluss wurde durch die Vereinten Nationen die „UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 - 2020" ausgerufen. Sie bietet die große Chance, mehr Menschen für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu sensibilisieren. Es wurden viele Initiativen gestartet, um das gesellschaftliche Bewusstsein für den Wert der Biodiversität und die Verantwortung für den Schutz und die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile zu fördern.


Warum brauchen wir Biologische Vielfalt?

Der Begriff Biologische Vielfalt oder Biodiversität steht als Sammelbegriff für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde. Biodiversität umfasst drei Ebenen:
  • die Vielfalt der Ökosysteme (dazu gehören Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften)
  • die Artenvielfalt und
  • die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

Biologische Vielfalt in der Landwirtschaft ist nötig, damit sich die Ernährungs-, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft an verändernde Umweltbedingungen wie dem Klimawandel oder neue Ansprüche von Verbrauchern an landwirtschaftliche Produkte anpassen können. Sie ist auch Grundlage für neue Nutzungen, beispielsweise für den Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung oder für die Züchtung neuer Sorten und Rassen.

Leider ist die früher vor allem in der Landwirtschaft vorherrschende große regionale Vielfalt an Nutzpflanzenarten, -sorten und Nutztierrassen sowie Fischen stark zurückgegangen. Ein Zahlenbeispiel: weltweit gibt es über 50.000 essbare Pflanzenarten, 7.000 hat der Mensch davon im Lauf der Geschichte kultiviert, lediglich 30 Arten decken heute 95 Prozent des menschlichen Energiebedarfs.
Ob Goldparmäne, Glanrind oder Buntes Bentheimer Schwein: Lokale Pflanzensorten und eine Vielfalt an Nutztierrassen sind das langsam gewachsene genetische Kapital einer Region. Sie sind optimal an den Boden und das örtliche Klima angepasst. Ihre breite Geschmackspalette sorgt für eine abwechslungsreiche und vielfältige Ernährung.


Was können Verbraucher bewirken?

Die biologische Vielfalt leistet einen wesentlichen Beitrag zu einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung. Durch eine gezielte Nachfrage nach Nahrungsmitteln kann der Verbraucher die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft fördern.

Das heutige Angebot an Lebensmitteln bietet uns eine das ganze Jahr über annähernd gleichbleibend große Vielfalt. Diese Vielfalt beruht jedoch weitestgehend auf Importen und auf einer technisch immer raffinierteren Weiterverarbeitung zunehmend einheitlicher Rohprodukte.
Die Vielfalt im Angebot täuscht nur allzu leicht darüber hinweg, dass es mit der Vielfalt in der Landwirtschaft nicht zum Besten bestellt ist. Nahezu unbemerkt sind viele Tierrassen, Pflanzenarten und -sorten verschwunden. Mit Ausnahme von Wein, Äpfeln und Kartoffeln gibt es in der breiten Bevölkerung annähernd kein Sortenbewusstsein mehr. Den meisten Verbrauchern entgeht, welche spezifischen Produktqualitäten, seien es Nährwert- oder Geschmackseigenschaften, uns die biologische Vielfalt bietet.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Fragen Sie als Verbraucher gezielt nach saisonalen und regionalen Produkten, speziellen Obst- und Gemüsesorten, nach Fleisch, Wurst und Käse regionaltypischer Rassen. Oder verlangen Sie nach alten Obst- und Gemüsesorten für den Anbau im eigenen Garten. Gerade „alte“ Sorten werden heute zum Teil wieder entdeckt und als Spezialitäten vermarktet.

„Erhalten durch aufessen“ ist eine Bereicherung des Speisezettels! Schmecken Sie die Vielfalt unserer Landwirtschaft.



Quellen und weiterführende Informationen


Download: Flyer_Gemeinsam_fuer_Sortenvielfalt.pdfFlyer_Gemeinsam_fuer_Sortenvielfalt.pdf



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