Gemeinsam kochen – Spaß für Eltern und Kinder

Stand: 06/03/2015
Wollen wir gemeinsam einen Kuchen backen? Alle Kinder lieben diesen Satz und freuen sich dabei nicht nur auf das süße Backwerk, sondern auch auf die Zubereitung, bei der man die Hände in das Mehl stecken darf und zum Schluss vom frischen Gebäck nascht. In der Küche helfen zu dürfen, macht Kinder stolz und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Familie.

Ihr Interesse und ihre Neugier sollte man nutzen und Kinder so früh wie möglich bei der Essenszubereitung beteiligen. Sie lernen spielerisch die ersten Griffe beim Kochen und den Umgang mit Lebensmitteln: Wie riecht eine Tomate, wie fühlt sich eine Möhre an, wie sieht der Apfel von innen aus? Der praktische Umgang mit Lebensmitteln ist Ernährungsbildung im Alltag.

Erziehungswissenschaftler plädieren für frühzeitige Selbstständigkeit und Eigenverantwortung – auch beim Essen. Es werden die Grundlagen gelegt, eines Tages eigenständig Lebensmittel auszuwählen, die der Gesundheit gut tun. Neben der eigentlichen Nahrungszubereitung schult das praktische Arbeiten die Feinmotorik und regt die Phantasie an.


Altersgemäße Rezepte

Je nach Alter können die Kinder in unterschiedlicher Weise beteiligt werden. Schon die Kleinen können einfache Handreichungen übernehmen und 8-Jährige beherrschen mit ein wenig Übung alle Küchengeräte sicher. Man kann Kindern ruhig etwas zutrauen und muss nicht ständig Angst haben, dass die Küche verwüstet wird oder es zu Verletzungen kommt. Natürlich ist Sicherheit oberstes Gebot. Man sollte die Kinder beim Kochen jederzeit im Auge behalten. Manches ist dennoch tabu: so dürfen Kleinkinder nicht mit kochendem Wasser und heißem Fett hantieren und der Pürierstab stellt ebenfalls ein Risiko dar. Wenn Kinder Lebensmittel kleinschneiden, ist dies immer auf einem rutschfesten Schneidbrett zu tun.

Entscheidend ist die Auswahl der Rezepte. Die Unterstützung beim Kochen und Backen sollte auf das Alter und die individuellen Fähigkeiten abgestimmt sein. Hier einige Anregungen:
Mit etwas Übung können 3- bis 4-Jährige…
  • die Einkaufstasche ausräumen
  • Obst und Gemüse waschen
  • weiche Früchte wie Bananen schneiden
  • Obst auf Teller verteilen und Gemüse in den Topf legen
  • Müsli oder Salate mischen
  • Pizza oder Kuchen belegen
  • Plätzchen ausstechen
  • den Tisch decken und schmücken
  • den Tisch abräumen.

Je älter die Kinder und je mehr Routine sie haben, umso größer sind die Fertigkeiten. 4- bis 5-Jährige freuen sich,…
  • beim Abwiegen zu helfen
  • Gemüse oder Kartoffeln mit einem Sparschäler zu schälen
  • Obstsalat und Rohkost zu schnippeln
  • Brote zu schmieren
  • Salatsoßen oder Quarkspeisen herzustellen
  • Teig zu kneten und zu formen.

Schulkinder können die Rezepte lesen und kleine Gerichte selbst kochen. Hilfreich sind dabei bebilderte Kochbücher, bei denen die Einzelschritte gut beschrieben oder sogar in Abbildungen dargestellt sind. Das Abwiegen und Abmessen von Zutaten schult das Vorstellungsvermögen von Mengen und Gewichten.
Manche Fertigkeiten stellen eine gewisse Herausforderung dar und müssen geübt werden wie zum Beispiel:
  • Eier trennen
  • Teige gleichmäßig ausrollen
  • Gebäcke verzieren.

Je kleiner die Kinder, desto einfacher sollten die Rezepte zuzubereiten sein und ein schnelles Erfolgserlebnis liefern (z.B. Muffins statt Kuchen).
Die richtige Reihenfolge der Arbeitsschritte bei der Herstellung eines ganzen Menüs erfordert gewissermaßen „strategisches“ Denken, das eher von Jugendlichen als von Kindern geleistet werden kann.

Besonderen Spaß haben Kinder, wenn sie kreativ sein dürfen und die Gerichte farbenfroh und lustig dekorieren können.


Neue Erfahrungen

Neue Zutaten und Konsistenzen entdecken die Kinder, wenn sie die Lebensmittel fühlen und riechen dürfen und damit ihre Sinneswelt erweitern.
In der Gemeinschaft und der Begeisterung am eigenen Tun erweitern die Kinder ihren eigenen kulinarischen Horizont. Auch wenn sie manche Speisen angeblich nicht mögen, lassen sie sich von neuen Zubereitungsformen wie Zucchini-Puffer doch verlocken. Wer beim Schnippeln der Zutaten geholfen, die Suppe umgerührt oder die Kräuter in den Quark gerührt hat, nimmt sein eigenes Werk oft viel besser an als ein vorgesetztes Gericht und plötzlich wird die bisher ungeliebte Gemüsesuppe gegessen.
Schulkinder lernen durch das gemeinsame Kochen, Mahlzeiten zu planen. Sie können z.B. Zutaten gemäß Rezept auf einen Zettel schreiben – eine gute Lese- und Schreibübung, Zutaten zusammensuchen und Fehlendes auf die Einkaufsliste setzen. Aufgaben werden verteilt: wer geht einkaufen, wer schnippelt das Gemüse, wer deckt den Tisch? Die benötigten Küchengeräte werden gemeinsam bereitgestellt. Auch die erforderlichen Hygienemaßnahmen werden erlernt, wie das Händewaschen, Haare zusammenbinden oder eine Schürze oder Koch-Shirt anziehen.

Bei aller Verantwortung von Kita und Schule – die Wurzeln für eine gute Ernährung liegen im Elternhaus. Jeder leistet einen kleinen Beitrag, damit es am Ende allen schmeckt. Natürlich ist das Kochen mit Kindern zeitintensiver und aufwändiger, aber es lohnt sich! Kinder, die früh in der Küche mithelfen, werden auch später Begeisterung für gutes Essen haben. Gemeinsames Kochen macht nicht nur Kindern Spaß. Es sorgt für mehr Lebensqualität in der Familie. Man nimmt sich gemeinsam Zeit in einer hektischen Welt und es gibt Erinnerungen, die ein Leben lang halten.


Quellen und weiterführende Informationen
  • Edith Gätjen: Lottas Lieblingsessen, Trias-Verlag, Stuttgart 2014
  • Silke Rettig: Kochen mit Kindern - Die Kochlöffelbande, in: UGB-Forum 02/03, im Internet unter www.ugb.de (Zugriff 03.06.2015)
  • PM Pharma-Medien GmbH & Co. KG (Hrsg.): Kochen mit Kindern, in: Mutter und Kind – Magazin für moderne Eltern, 2013, im Internet unter www.mutter-kind-magazin.de (Zugriff: 29.05.2015)
  • Nestle Deutschland AG (Hrsg.): Gemeinsam kochen mit Kindern macht Freude, im Internet unter www.ernaehrungsstudio.nestle.de (Zugriff: 29.05.2015)





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